Tigrinja Traditionen

Tigrinja – Tigrinia Übersetzer / Übersetzung bzw. Dolmetscher / Dolmetschung für Eritreisch (Eritreer, Eritrea) oder Nord-Äthiopisch (Äthiopier, Äthiopien) ist unter der Telefonnummer – +49 152-172 907 47 zu erreichen.

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Eine sehr alte und bis jetzt existierende Tradition ist dass aufzählen der Vorfahren wie im folgenden Beispiel angezeigt wird, wobei es hier auch manche gibt die Ihre Vorfahren bis Meroni und weiter kennen. Dies sind jedoch meist Familien die als Fürst (in tigrinja als Ras bezeichnet) oder auch als Priester (in tigrinja als Keychi) einen Vorfahren hatten. Die meisten Tigrinja die in Eritrea leben sind Bauern, die kennen jedoch meist nur 6 – 10 Ihrer Vorfahren namentlich ( ca. 500 bis 800 Jahre zurück ).

Seweldi

Bahta ( Vater von Seweldi )

Ghebrehariat ( Vater von Bahta )

Segergesch ( Vater von Ghebrehariat )

Habtegergesch ( Vater von Segergesch )

Haderainkiel ( Vater von Habtegergesch )

Ogbamikael ( Vater von Haderainkiel )

Es wird auch häufig von den älteren als Identifikationsmerkmal verwendet, um festzustellen ob man die Person oder deren Familienangehörige eventuell anhand des Dorfes und Namens her kennt. Eine große Geste der in Mereb Milash lebenden Tigrinja Bevölkerung ist die Gastfreundlichkeit und das warmherzige aufnehmen eines Gastes, was jedoch in vielen anderen Kulturkreisen als Schwäche angesehen wird. Diese Gastfreundlichkeit geht jedoch mit der ständigen Verflechtung der globalen Wirtschaft und des westlichen Gedankenguts verloren. Dies bekommt man immer mit wenn die älteren der Tigrinja Volksgruppen in Ihren Gesprächen, die alten Zeiten im Land loben und sich beschweren das es damals besser gewesen sei als heute ( traditionell gesehen ).

Eine kleiner Ausschnitt über die gute Nacht Geschichten der Tigrinja Ethnie in Eritrea

vom Johannes Kolomodin (Tigrinische Wochenbettlieder)

Unter den vierschiedenen Gruppen von poetischen Erzeugnissen, die von den Tigrinjas als >> Lieder >> zusammengefasst werden, heben sich einige von den übrigen dadurch ab, dass sie nur von Frauen gedichtet und gesungen werden, d.h., sie sind Frauenlyrik im engsten Sinne des Wortes. Diese Gruppen sind ausser den Wochenbettliedern, auf die wir hier unten etwas näher eingehen wollen – die Hochzeitslieder (nay merha=ናይ መሪዓ); die Bestattungslieder und die Lieder bei den Heiligenfesten; wie man sieht, handelt es sich in allen Fällen um die grossen zentralen Ereignisse des Familien- und Stammeslebens. Mit diesen feststehenden Anlässen hängt es offenbar zusammen, dass die in Rede stehenden Lieder, die übrigens alle sehr kurz und im Ton und Stil nahe verwandt sind, nicht nur insgesamt anonym auftreten, sondern auch geradezu als rituell bezeichnet werden können. Neudichtugen sind allerdings nicht ganz ausgeschlossen, lokale Verschiedenheiten kommen nicht seltern vor; doch gibt es offenbar einen Grundstock, den man als gemeinsames Eigentum wenigstens des ganzen Mereb-Milash (der Tigrinja Provinz im Hochland vom heutigen Eritrea) betrachten kann. Durch die etwas abgenutzte Sprache, die bisweilen dem übersetzer eine Fülle von Schwierigkeiten bereitet, verraten sich die Lieder nicht selten, die diesem Grundstocke angehören.

So weit über die sprachliche und kulturgeschichtliche Bedeutung der Frauenlyrik im allgemeinen! Wir gehen nun zu den Wochenbettliedern im besonderen über.

Schon vor 12 Jahren hat der bekannte italienische Ethnologe Dr. C. Conti Rossini einige Materialien zur Kenntnis der Aro-sitte vorgelegt. Unter seinen in der Zeitschrift für Assyriologie, Bd. 17-19, veröffentlichten Canti popalari tigrai findet sich auch ein Stück(Nr. 121), das sein eingeborener Gewährsmann mit der überschrift ድርፊ(!): አሮ(!): ሐራስ : ምስ : ወለደት : ወዲ : versehen hat (d. h. >>’Arolieder, [die gesungen werden,] wenn eine Wöchnerin einen Knaben bekommen hat >> – wichtig als Zeugnis dafür, dass der Ritus bloss für einen neugeborenen Knaben abgehalten wird.) Nur ist CONTI ROSSINI durch den grammatischen Singular der zitierten Worte ( die hier ohne Bedeutung haben) verleitet worden, zu übersetzen: >> Canto dello aro, quando etc. >>; auch in seinen hinzugefügten Bemerkungen bezeichnet er das Stück – ohne Berücksichtigung des wenig zusammenhängenden Inhalts – als >> principio della canzone che le donne e le fanciulle, non appena (!) alcuna loro amica abbia partorito, affollandosi dinanzi alla porta dell’ abitazione di lei, cantano con l’accompagnazione delle mani battute in cadenza >>. Er hat, wie man sieht, nicht durchschaut, dass er es mit einer ganzen lyrischen Gattung zu tun hatte ( die vorgefasste Meinung, dass es sich um eine einzige >>canzone>> handelte, hat übrigens auch auf seine übersetzung unvorteilhaft eingewirkt) – was allerdings einen weniger befremdlichen Eindruck macht, wenn man in Betracht zieht, dass er sich offenbar nach der zitierten Darstellung von den Geburtssitten im allgemeinen kein allzu klares Bild machen konnte. Für die von ihm veröffentlichten ‘Aro-lieder ( zusammen 12 Nummern), die anscheinend zum Teil aus der Provinz Akeluguzay herrühren, werden wir ihm immerhin dankbar sein. Ich habe wohl die meisten auch in Hamasien angetroffen; doch gehört etwa ein Drittel jedenfalls nicht dem dort allgemein gebräuchlichen Repertoire an.

Etwas mehr erfahren wir aus einem (freilich nur summarischen) Berichte über die sirat hirsi ስሪዓት ሕርስ (die Geburtsriten) bei den Deki ate Semien, dem Hauptstamm Hamasiens, den ich nach dem Diktate meines früh verstorbenen Freundes Bahta Tesfahannis aufgeschrieben habe. Dieser Text beschäftigt sich wohl nicht hauptsächlich mit den ‘Aro-liedern; viele Fragen, die in diesem Zusammenhange aufgestellt werden können, lässt er unbeantwortet – so z.B. auch die, ob die ‘Aro’s auch für Mädchen gesungen werden. Da er doch vieles enthält, das zum Verständnis der Lieder oder wenigstens des ethnischen Milieus, woraus sie entsprungen sind, beitragen kann, gebe ich ihn hier als Ganzes in Tigrinja und deutsch wieder. Der Bericht des Bahta Tesfahannis lautet, wie folgt:

Tigrinja Text:

ወላዲት አደ እዋን ሕርሳ ምስ በጽሔ ነዲኣ ሐደው ንትእምና ጎረቤታ ኸትድግፋ ትጽውዕ ። አብ ኤርትራ ፍልጥቲ መውለዲት የልቦን እሞ እተን ዐቨይቲ ኣንስቲ በቲ ዝወዓላሉ የሕርሳ ።

እታ  ወላዲት ቅልውላው ምስ ተታሕዘት እታ መውለዲት << ኣዾኺ ወዲ ኽትወልዲ ኢኺ >> እናለት ተህድኣ ትጸንሕ ። ምስ ተጋላገሰት ከአ ጓል እንተ ኾነት እተወልደት ሰለስተ ሳዕ እልል ይበሃለላ ወዲ እንተ ኾነ ግና ኾብዐተ ሳዕ ይበሃለሉ ።

ሽዑ እታ አደ ወዲ እንተ ኾነ ግና ኾብዐተ ሳዕ ይበሃለሉ ። ሽዑ እታ አደ ወዲ እንተ ኩይኑ ሐደው ጓል ትፈልጥ ።

ደሐር እተን ዝደገፍኣ ኣንስቲ ብሓደ ኩይነን ገዓት ጠስሚ ይበልዓ ። ካብኡ ነቲ ሕጻን መዓርኒ ጠስምን ጌረን የቅምስኦ ከምዚ እናላ ፤

ክትርስዕ ክትርስዕ ደም ኣድከመ-ምልጋእ አይትረስዕ ። አብ ሳልሳይ መዓልቲ ጥጥቆ ሐራሳት ይዕደል ምሸት ከአ ዓሮ ይጅመር ። ምሸተ-ምሸት መታን ነታ ሐራስ ከዛናግዓ ዓሮ ይበላላ ክሳዕ ሾብዐተ መዓልቲ ከምዚ እናላ፤

ዓሮ ትብል ሐንቲኤን እሞ ፤ ዓሮ ግራሮ እዩ እቲ ምላኹ ። ወዲ እንተ ኾነ እተወልደ ቅድም ይኽንሸብ ፤ አብ መበል  አርብዓ መዓልቱ ድማ ይጠጥመቅ ። ድሕርዚ እታ ሐራስ ካብ ቤታ ኽትወጽእ ከላ ሐልሐልታ ሐዊ ናብ ምድሪ ቤት ጌረን የሳግርኣ ። ከምዚ ይለን ከአ ይሐትኣ ፤ ሐራስ ካበይ መጺእኪ – ነሳ ኸአ ትመልስ ካብ የሩሳሊም ። ነሳተን ከአ እንታይ ክትገብሪ ፤ ነሳ ኽአ ትመልስ ፤ ሕሙም ክበጽሕ ሕዙን ክናዝዝ ዕሩቅ ክኸድን ጥሙይ ከጽግብ ሐራስ ኽረድእ ። ሸዑ ሕጀንኣ ይወጻ ።

Deutsche übersetzung des Tigrinja textes:

Eine Gebärerin, wenn die Zeit ihrer Entbindung anbricht, lässt ihre Mutter oder eine Nachbarin, der sie vertraut, holen, um ihr beizustehen. [Und zwar] weil es in der Tigrinja Ethnie [Eritrea(kebesa, kebessa) und im norden äthiopiens (Tigray-Provinz)] ausgebildete Hebammen nicht gibt, [pflegen] die alten Frauen, die [es] durch die Erfahrung gelernt haben, das Wehmutteramt [zu] verrichten. Nachdem die Gebärerin von den Wehen. ergriffen worden ist, beruhigt sie die Hebame fortwährend mit den Worten: >> Sei getrost! es ist ein Knabe>>. [Erst] nachdem die Nachgeburt sie verlassen hat – wen es ein Mädchen ist, das sie geboren hat, dann begrüsst man es mit dreimal [‘elele = ዕልልል’]; wenn es aber ein Knabe ist, [dann] begrüsst man ihn mit siebenmal [‘elele = ዕልልል’]; da erfährt die Mutter, ob es ein Knabe oder ein Mädchen geworden ist.

Sodann essen die Frauen, die ihr beigestanden haben, zusammen Brei mit Butter. Darauf nehmen sie etwas Honig und Butter geben es dem Knäblein [als ersten Bissen], indem sie [ihm] sagen:

>> Was du auch vergisst, was du auch vergisst, die Vendetta an den Adcheme-Melegga vergiss [doch] nicht!>>

Am dritten Tage wird das Koch der Wöchnerinnen ausgeteilt, und am Abend fängt man mit dem ‘Aro[-ritus] an. Jeden Abend, um die Wöchnerin zu unterhalten, tragen [die Frauen] ihr ‘Aro-lieder vor, sieben Tage hindurch, in folgender Weise:

>> ‘Aro! >> sagt ihrer eine; und die Antwort ist: >>’Aro Geraro!>>

Wenn es sich um einen Knaben handelt, wird er zuerst beschnitten, und am vierzigsten Tage wird er getauft. Wenn es aber ein Mädchen ist, [dann] wird es , nach dem man es der Mädchenbeschneidung unterworfen hat, [erst] am sechzigsten Tage getauft.

Sodann, [das erste Mal], als die Wöchnerin aus Ihrem Hause hinausgehen soll, legen [die Frauen] einen Feuerbrand auf den Fussboden und lassen sie herübersteigen. Dabei stellen sie diese Frage an sie:

>> Woher, o Kindbetterin ? >> — Sie erwidert:

>> [Ich bin] aus Jerusalem.>> — Sie [fragen] weiter:

>> Wozu denn [kommst du]?>> — Und sie erwidert:

>> Die Kranken zu besuchen, die Leidtragenden zu trösten, die Nackten zu bekleiden,

die Hungrigen zu sättigen, den Kindbetterinnen zu helfen >>.

Darauf gehen sie mit ihr hinaus.

Mit dem, was wir aus diesem Berichte entnehmen können, stimmt nun auch der Tigrinja Rechtskatechismus überein, den der gelehrte Alaka Bahta aus Adi-Gemmer im Kanton Guehcea (auf der Grenze der Provinzen Hamasien und Serai) für mich ausgearbeitet hat; nur hebt er auch das religiöse Gepräge des betreffenden Ritus deutlich hervor. Die serata aro wird hier in dem 39. Paragraph (unter der Hauptrubrik der sirat menfesawi) behandelt; nach den Schlussworten der Schilderung, die leider auch nur sehr kurz ist, scheint auch der Priester dabei eine gewisse Rolle zu spielen (s.u.). Von besonderem Interesse ist, dass der Verfasser in seinem Bericht nicht weniger als 16 Beispiele von ‘Aro’s eingelegt hat, die zwar grösstenteils mit den von mir in Hamasien gehörten oder den vom Gewährsmanne CONTI ROSSINIS mitgeteilten übereinstimmen (das gilt von nicht weniger als 9 Nummern), aber doch wahrscheinlich für die südwestlichen Provinzen der italienischen Kolonie (Serai und Deki Tesfai) besonders charakteristisch sind. Diese wichtige Textquelle werden wir unten, bei der Einzelbehandlung, mehrmals Anlass haben, zu berücksichtigen. Hier können wir uns vorläufig auf die Beschreibung der serat beschränken, deren grösste Bedeutung wohl darin liegt, dass sie die Gültigkeit des vorher mitgeteilten auch für die südlichen Gebiete bekundet. Sie lautet folgendermassen:

Tigrinja übersetzung:

፴፱ በእንተ ስርዓተ ዓሮ ።

ጥ [ያቅ] ። ናይ ዓሮ ስርዓት ምንታይ እዩ ፤

ም [ላሽ] ። ቆልዓ ምስ ተወልደ ብሳልሳይ መዓልቲ ጥጥቆ ጠጢቃ ንዓዲ ምዕዳል ዝተረፈ ንምሸት አጽኒሕካ ነተን አንስት ዓሮ ምሃብ እዩ ።

ጥ [ያቅ] ። ዓሮ መአዝ ይጅምራ ፤

ም [ላሽ] ። ብ ሳልስቲ በቲ መዓልት ጥጥቆ ምዠማር እዩ ።

ጥ [ያቅ] ። ምንታይ ምንታይ ቢለን ይጅምራ ፤

ም [ላሽ] ። ዓሮ ግራሮ ንማርያም ። (Hier folgen nun die erwähnten 16 ‘ Aro-lieder). ከምዙይ እናበላ እንካብት ዝዥምራሉ ክላብ

፮ተ መዓልቲ ዓሮ ምባል እዩ ።

ጥ [ያቅ] ። ነአኵቶ ድሕሪ ተባህለ ምንታይ የድሊ ፤

ም [ላሽ] ። ገዓት እንጀራ ምብላዕ ምስታይ እዩ ።

Tigrinja übersetzung ins Deutsche:

über die ‘Tigrinja Tradition

Frage: Was ist es mit der ‘Tigrinja Tradition?

Antwort: Wenn ein Junge geboren worden ist, macht man am dritten Tage das Koch und teilt es im Dorfe aus; was übrig bleibt, spart man bis zum Abend, um es den ‘Tigrinja frauen zu geben.

Frage: Wann fangen sie mit den Tigrinja liedern an?

Antwort: Der Anfang ist am dritten [Tage], am Tage des Kochs.

Frage: Und was für Dinge sagen sie zu Anfang?

Antwort: [Sie sagen:] ‘ Aro, Geraro, der Marjam [u. s. w.]. So was immer und immer summend, fährt man mit den ‘Tigrinja liedern fort von dem Tage, wo sie [damit] angefangen haben, [noch] sechs Tage hindurch.

Frage: Nachdem das Na’akk etto (Gratias) gesprochen worden ist, was ist [noch] von nöten?

Antwort: Es gibt Essen von Brei [und] Brot, [dazu noch] Trinken.

Wie es aus den angeführten Berichten hervorgeht, werden die ‘Tigrinja lieder beim Vortrag durch einige Erkennungsworte – einen feststehenden Aufgesang (‘Aro – ‘Aro Geraro, resp. ‘Aro, Geraro, der Marjam) – eingeleitet oder (technisch richtiger) angekündigt. Dieser Aufgesang hat wenigstens in Hamasien( ehemalige Provinz in Eritrea lokalisierung heute ist die ganze Maekel-Zone und ein kleiner Teil von allen Bündesländern die an der Maekel-zone angrenzen) den Charakter einer Wechselrede (er wird auf eine Vorsängerin und einen Chor [von den umhersitzenden Frauen] verteilt) – eine Sitte, die übrigens auch bei anderen literarischen Arten des Tigrinja (Tigrinya, Tigrigna und Tigrinia) vorkommt (nicht nur beim eigentlichen Wechselgesang [cafara, ma’aesa], sondern auch bei den Hochzeitsepigrammen [‘aula], Rätseln und Tierfabeln. Und zwar gilt es in diesem Falle wie in den anderen, dass der erste Bestandteil dieser Wechselrede aus dem (resp. einem) Namen der betreffenden dichterischen Gattung besteht.

über die Bedeutung dieses Namens und des ganzen Aufgesangs kann ich mich nicht vollkommener Sicherheit aussprechen, wie denn überhaupt (und nicht nur im Tigrinja [Tigrinya, Tigrigna und Tigrinia]) das Sprachmaterial solcher feststehender Erkennungsworte erhebliche Schwierigkeiten zu bereiten pflegt. Das Wort ‘ara wird man wohl am besten mit “Zuruf”, “Hilferuf” wiedergeben können (eine Form ‘ar ist interjektional als Zuruf zu den Mutterschaften gebräuchlich; redupliziert [*’ar’ara] liegt es wohl dem bekannten amharisch-ostafrikanischen አራራይ – dem technischen Namen einer der drei Kirchentonarten – zu Grude; das Verbalabstraktum ‘ara [mit etymologisch kurzem a] existiert noch in der Tiefstufe ‘arsa [weil hier nicht am Ende eines Sprechtakts] in dem abgeleiteten Tigrinja [Tigrinya, Tigrigna und Tigrinia]-verbum ‘arsu bela [zu]rufen, um Hilfe rufen); der Name geht woh zunächst nur auf die Gebete zu der Maria, die wie wir sehen werden, einen Hauptbestandteil der ‘Aro’s ausmachen. Das Komplement ingorara übersetze ich zögernd mit “Freudenruf”, “Siegesruf” (die Grundbedeutung scheint ein “Tönen, “Lauten” im allgemeinen zu sein [so noch in der Tiefstufe ingorara bela gebräuchlich – meist von unpersönlichen Subjekten], es bezeichnet aber auch im besonderen das Knurren des Löwen über seine Beute [=አንጉርጉረ g]; die verwandten Wörter ingorara am ingorara ina (=zamara, faxara ina, sakar te) legen die Annahme nahe, dass dieses Eingangswort sich auf den Charakter eines Teiles der Tigrinja [Tigrinya, Tigrigna und Tigrinia]-lieder als weibliche Gegenstücke der “Crys de guerre” der Männer beziehen wird.

Aber lassen wir den Aufgesang! Was den Vortrag ferner anbelangt, wird er jedenfalls auch (wie das gleichfalls bei den anderen Arten der Frauenlyrik üblich ist) durch ein Zusammenwirken zwischen einer Vorsängerin und einem Chor gekennzeichnet, der entweder in die Endzeile oder in das letzte Reimpaar einstimmt oder auch das Ganze ein- bis zweimal wiederholt. Eingehendere Beobachtungen über diese Dinge habe ich leider nicht machen können, da das männliche Geschlecht überhaupt bei den ‘Aro-versammlungen nicht zugelassen wird; auch meine eingeborenen Gewährsmännder waren also nur als kleine Kinder zugegen gewesen und erinnerten sich nicht mit genügender Sicherheit aller hierher gehörenden Details. Dass das Akkompagnement nur in Händeklatschen besteht, wie CONTI ROSSINI behauptet, wird wohl richtig sein; auch hierbei handelt es sich übrigens um ein für die ganze Frauenlyrik charakteristisches Moment.

Und nun denn zu den Liedern selbst! Das mir zur Verfügung stehende Material besteht aus 36 Nummern, von denen ich selbst in den Hauptdörfern der Deki teschim, Tzassega und Hassega, 26 nach Gehör aufgezeichnet habe (etwa die Hälfte mit Hilfe des Bahta Tesfayohannes); die übrigen 8 kenne ich nur in schriftlicher aufzeichnung aus den genannten Sammlungen CONTI ROSSINI und des Alecka Bahta. Inhaltlich verteilen sie sich, wie schon CONTI ROSSINI gesehen hat (der es doch im Einzelnen nicht hat korrekt durchführen können), in zwei Gruppen, eine religiöse und eine weltliche; die erstere sieht als die eigentliche Hauptreihe aus (die hierher gehörenden Lieder gehen wenigstens alle aus einem ziemlich fest geschlossenen Gedankenkreis hervor), die letztere mach mehr den Eindruck eines Anhangs, wo man sich für dies und jenes interessiert (doch gehören auch ihr einige der sicherlich sehr alten, rituell abgenutzten Lieder an). Ich gebe nun einen Versuch zu einer systematischen Aufstellung des ganzen Stoffes.

In der ersten Reihe – den religiösen Liedern – werden die Schwangerschaft und die Entbindung unter dem bekannten Bilde einer Wallfahrt vorgestellt, worauf die Wöcherin sich ganz allein hat begeben müssen. Die Gottesmutter selbst hat einst diese Wallfahrt vollbracht; da wo sie gegangen ist, wird doch wohl die Schwangere auch Gnade finden, dorthin will sie nun auch gehen, ob sie schon kriechen muss. Vergänglich ist unser irdisches Haus; bald liegen wohl auch wir “da unterm Stein” wie die Toten, die aus ihren Grabstätten der Pilgernden mahnen, dass sie nicht gedankenlos auf ihre Decke treten soll. Wozu denn all die irdischen Sorgen?

Ach, mit Recht kann ihr nun die Maria vorwerfen, das sie nicht schon früher das ewige Heil gesucht hat! vergeblich entschuldigt sie sich damit, dass sie bisher immer an das Bestehen ihres Glücks glaubte. Warum sollte ihr denn Unsere Frau helfen, die ja schon so oft erfahren hat, dass man sie wieder verneint, wenn sie eine nur erst gerettet hat? aber sieht sie doch nicht, die Himmlische, dass ihre Busse jetzt echt und aufrichtig ist? Die ärmste vermag ja selbst nichts, sie ist schon nahe daran zu verschmachten – so muss sie der Maria ihre Sorgen überlassen. Aber ihre Hoffnung wird auch sicherlich nicht zu Schande kommen – denn die Gottesmutter liebt ja die Wöchnerinnen, sie hat ja versprochen, dass sie sie zum Ziele führen will. Und siehe, die Hilfe ist schon da, schneller und grösser, als sie es sich je vorstellen konnte; so gelangt sie denn zur heiligen Stätte, feierlich stimmt sie in das Prozessionslied ein, zur Ehre der Helferin in der Not.

Die Lieder der anderen Reihe – die weltlichen Lieder – haben eigentlich nur den einen gemeinsamen Strich, dass sie der Wöchnerin Vergnügen machen sollen. Führwahr, ihr Mann bedarf jetzt keinen anderen “rötlichen Arm” suchen als ihren; geziert, wie die Maria selbst, steht sie da, “gleich dem Buche des Priesters” ist ihr Vorzug und ihre Farbe wie schön! Ihr gehört nun mit Recht das Beste von allem. Denn die Männer führen wohl die Sachen ihrer Frauen auf dem Thinge, wie geht es aber mit dem Thinge, wenn die Frauen sich nicht schwanger machen lassen? Heil ihr, die sie einen Knaben geboren hat – einen Knaben, der ihr von den Gelagen der Männer Bericht abstatten wird, der ihr allerlei Gutes zuführen wird, nach dem ein schönes Mädchen bald sich sehen wird; o, er wächst schon recht tüchtig, das kleine Geschöpf – “sauge, sauge nur, du Kleiner”! Die glückliche Mutter hat es sich zur Regel gemacht, fortan jedes jahr einen Knaben zu gebären.

In einzelnen Punkten kann die hier gegebene Anordnung des Stoffes gewiss Zweifel unterliegen; wenn wir ein reicheres Material zur Verfügung hätten, so dass wir alle Nebenlinien des Gedankenganges mit Sicherheit verfolgen könnten, würde wohl dies und jenes sich anders ausnehmen. Im grossen und ganzen glaube ich jedoch, dass ich die Voerstellungsreihen richtig aufgefasst habe. Ich muss nur ausdrücklich darauf aufmerksam machen, dass mir der notdürftigen Herausschälung dieser grossen inhaltlichen Gruppen, die sich beiläufig gesagt wohl mit je einem der beiden Eingangsworte ziemlich genau decken, noch nichts (oder so gut wie nichts) über die Frage von der Unterscheidung zwischen dem älteren Grundstocke und den späteren Neudichtungen ausgesagt worden ist. Diese Frage, die ohnehin begreiflicherweise nur in gewissen Fällen mit Aussicht auf Erfolg gestellt werden kann, werden wir am besten im Zusammenhange mit der Einzelbehandlung aufnehmen, wozu wir nun zuletzt übergehen wollen.

1. Auf der Wallfahrt nach Schoa.

a) Der Aufbruch.

Hassega.

ሐራሰየ ፤

ንምናነየ ፤

ትበኪ አላ ደኒና ።

አደ የልቦ ፤

ጓል አደ የልቦ  ።

አቦ የልቦ ፤

ወዲ አቦ የልቦ ፤

ትበኪ ኦላ ደንና ።

ሐብቲ የልቦ ፤

ጓል ሐብቲ የልቦ ፤

ትበኪ አላ ደኒና ።

ሐው የልቦ ፤

ወዲ ሐው የልቦ ፤

ትበኪ አላ ደኒና ።

ዘመድ የልቦ ፤

ወዲ ዘመድ የልቦ ፤

ትበኪ አላ ደኒና ።

Deutsche übersetzung des Tigrinja [Tigrinya, Tigrigna und Tigrinia] – Textes

Die Kindbetterin vor der Pilgerfahrt,

weinend steht sie, gebückt.

Die Mutter ist weg, ihre Tochter ist weg,

weinend steht sie, gebückt.

Der Vater ist weg, sein Sohn ist weg,

weinend steht sie, gebückt.

Die Schwester ist weg, ihre Tochter ist weg,

weinend steht sie, gebückt.

Der Bruder ist weg, sein Sohn ist weg,

weinend steht sie, gebückt.

Der Verwandte ist weg, sein Sohn ist weg,

weinend steht sie, gebückt.

Dieses Lied ist kaum ausserhalb Hamasiens(ehemalige Provinz von Eritrea) verbreitet. Spezifisch hamasenisch ist ‘adde=ኣደ “Mutter” , auch ‘mdynan=ምድናን “bücken“, “kauern” gehört wahrscheinlich mehr diesem nördlichen Dialekte an.

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